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Konservatismus Kapitel 5: Konservatismus 1 Begriffliches 2 Konservatismus als Weltschau 3 Wichtige Epochen der europischen Bewegung des Konservatismus 4 Konservatismus als politische Gestaltungskraft am Beispiel Schweiz Konservatismus Was unterscheidet Neoliberale von Neokonservativen? Antwort:

Antwort: Unterschiede Unterschiede sind sind in in erster erster Linie Linie auf auf der der Werteebene Werteebene zu zu suchen suchen (z.B. (z.B. Recht Recht auf auf Abtreibung,

Abtreibung, gleichgeschlechtliche gleichgeschlechtliche Ehe, Ehe, Drogenliberalisierung Drogenliberalisierung u.a.) u.a.) Konservatismus Neokonservatismus Beim Neokonservatismus handelt es sich um eine geistespolitische Strmung, welche in den USA seit Mitte der 1970er Jahre und in Westeuropa seit Beginn der 1980er Jahre auftaucht und neoliberale Wirtschaftspolitiken (Thatcherismus, Reaganomics,

monetaristischen Strategien, restriktiven Fiskalpolitik und Steuersenkungen) beinhaltet. Konservatismus Wer sind die Konservativen in der Schweiz? Beyme (1984) fhrt bei den Sitzanteilen der konservativen Parteien Europas einzig die SVP auf. Er behandelt die CVP unter dem Abschnitt ber die Christdemokratischen Parteien. Historisch gehrt die CVP zu den konservativen Parteien, die als Gegenbewegung zu den Liberalen und Radikalen entstanden sind. Die SVP hat sich erst spter herausgebildet.

Konservatismus Von Mythen zu Taten (Durrer/Gernet 2000: 84) Konservatismus ist modern: Ein wachsender Teil der Bevlkerung denkt zwar nicht rechts, aber konservativ. Anstand, Fleiss, Pnktlichkeit, Sauberkeit, sogenannte Sekundrtugenden, sind hher im Kurs als auch schon. Konservative Werte haben Konjunktur. Eine Entwicklung, die leichtfertig und undifferenziert als gesellschaftlicher Rechtsrutsch diffamiert wird. Konservatismus

Von Mythen zu Taten (Durrer/Gernet 2000: 87) Rckkehr der Religion in die Politik/Ethik in der Tagespolitik: Die Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) hat sich ber das C und die anderen Bestandteile ihres Namens Rechenschaft zu geben. Das Element christlichdemokratisch bringt die GrundwertOrientierung der Partei zum Ausdruck. Konservatismus EPP members in EU countries Country EUROPEAN UNION AUSTRIA

BELGIUM DENMARK FINLAND FRANCE GERMANY GREECE IRELAND ITALY LUXEMBOURG NETHERLANDS PORTUGAL SPAIN SWEDEN Party

EPP Group in the European Parliament sterreichische Volkspartei (VP) Christelijke Volkspartij (CVP) Le Nouveau PSC Kristeligt Folkeparti (KrF) Det Konservative Folkeparti Kansallinen Kokoomus rp Nouvelle UDF Christlich Demokratische Union (CDU) Christlich Soziale Union (CSU) Nea Demokratia (ND) Fine Gael (FG) Forza Italia (FI) Partito Popolare Italiano (PPI) Rinnovamento Italiano (RI) Cristiani Democratici uniti (CDU)

Centro Cristiano Democratico (CCD) Chrstlech Sozial Vollekspartei (CSV) Christen Democratisch Appl (CDA) Partido Social Democrata (PSD) Uni Democrtica de Catalunya (UDC) Partido Popular (PP) Kristdemokraterna Moderaterna President Hans- Gert PTTERING Wolfgang SCHSSEL Stefaan DE CLERCK J olle MILQUET J ann SJ URSEN Poul ANDREASSEN

Sauli NIINIST Franois BAYROU Angela MERKEL Edmund STOIBER Kostas Alexander KARAMANLIS J ohn BRUTON Silvio BERLUSCONI Pierluigi CASTAGNETTI Lamberto DINI Rocco BUTTIGLIONE (leader) Pierferdinando CASINI (Leader) Erna HENNICOT- SCHOEPGES Marnix VAN RIJ J os Manuel DURO BARROSO J osep DURAN i LLEIDA J os Maria AZNAR

Alf SVENSSON Bo LUNDGREN Frage: Frage: Welches WelchesLand Landfehlt fehlt hier? hier? Konservatismus Associated EPP members BULGARIA Union of Democratic Forces (UDF)*

People's Union * (consisting of National Peasants Party (BANU - PU) and Democratic Party (DP) CYPRUS CZECH REPUBLIC Democratic Rally of Cyprus (DR) * Krestanska a demokraticka unie - Ceskoslovensk Strana Lidova (KDU-CSL) * Tautas Partija * Lietuvos Krikscioniu Demokratu Partija (LKDP) * LATVIA LITHUANIA MALTA NORWAY

POLAND Ivan KOSTOV Anastasia DIMITROVAMOSER Stefan SAVOV Nicos ANASTASIADES J an KASAL Andris SKELE Zigmas ZINKEVICIUS Partit Nazzjonalista (PN) * Hoyre * Unia Wolnosci (UW) (Freedom Union) * Ruch Spoleczny AWS (AWS Social Movement) * Edward FENECH- ADAMI

J an PETERSEN Leszek BALCEROWICZ J erzy BUZEK Stronnictwo Konserwatywno Ludowe(SKL) * Miroslaw STYCKEN Partidul National Taranesc Crestin Democrat (PNTCD) * Ian DIACONESCU Romniai Magyar Demokrata Szvetsg (RMDSZ) * Democratic Alliance of Hungarians in Romania Bela MARKO

SLOVAKIA Party of the Hungarian Coalition (SMK - MKP) * Bla BUGR SLOVENIA SWITZERLAND Slovenski Krscanski Demokrati (SKD)* Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) * Lojze PETERLE Adalbert DURRER

ROMANIA Konservatismus Aus dem EPP Grundsatzprogramm (1992) Against ideological temptations Regardless of the disappearance of Marxism-Leninism as a foundation for society in Central and East Europe, the end of ideologies is not really in sight. Rather, competition between ideologies is occurring at other levels. Konservatismus

und weiter At first sight, liberal ideology has many advantages. The market economy has allowed the development of living standards other systems have not yet been able to achieve. Neoliberalism, however, ignores the social dimensions of the free market economy by unilaterally stressing the individual efforts of each man and woman; which can only work against the weakest members of society. (...) Konservatismus Und schliesslich

We Christian Democrats see the weaknesses in these ideologies which are bound to mislead us in the end. We also reject a purely pragmatic approach to problems in society. We wish to impart a valid response to those aspiring to a more human society. Our society cannot be restricted to satisfying material needs alone. The needs of human beings in their totality and their fulfilment in the framework of a completely new society are crucial for the realization of their wellbeing. Konservatismus Whlerstimmenanteile der Bundesratsparteien: Nationalratswahlen 1919 2003

35.0 30.0 26.7 % 25.0 23.3 % 20.0 17.3 % 15.0 14.4 %

10.0 7.4 % 5.0 FDP CVP SPS SVP GPS 2003

1999 1995 1991 1987 1983 1979 1975 1971

1967 1963 1959 1955 1951 1947 1943 1935

1931 1928 1925 1922 1919 0.0 Konservatismus Die Verbreitung der CVP Lokalparteien 1988

Konservatismus Die Verbreitung der FDP Lokalparteien 1988 Konservatismus Die Verbreitung der SVP Lokalparteien 1988 Konservatismus Die Verbreitung der SP Lokalparteien 1988 Konservatismus Der konservative "Sonderfall"

Schweiz: Keine royalistiche Vergangenheit. bernahme (und Monopolisierung) des konservativen Potentials durch die christlichkatholischen Parteien. Dominanz der Liberalen und die konfessionelle Segmentierung hat die konservative Partei davor bewahrt, allzu stark auf wirtschaftsliberale Werte einzuschwenken. Heute beanspruchen Teile der SVP das konservative Potential fr sich. Konservatismus 5.1 Begriffliches Konservatismus

Begriffliches (1) Konservatismus, konservativ sind Kunstwrter bzw. Neologismen Konservatismus Begriffliches (2) Der Begriff Konservatismus war von Beginn an stark von den politischen Gegenbegriffen (Liberalismus, Demokratie, Radikalismus) geprgt. Konservatismus Begriffliches (3)

Liberalismus und Sozialismus sind an klaren Wertvorstellungen festzumachen. Konservativ meint bewahrend im Verhltnis zu fortschrittlich. Was aber soll bewahrt werden? Konservatismus Karl Mannheim (1927) unterschied zwischen Konservatismus als einem spezifisch historischen und modernen Phnomen und Traditionalismus als einer allgemeinen menschlichen Eigenschaft, die sich darin ussert, dass wir an allem

Althergebrachten zh festhalten und nur ungern auf Neuerungen eingehen. Konservatismus Traditionalismus ist ... eine voraussetzende, nicht aber eine notwendige und gewiss keine hinreichende Bedingung fr politischen Konservatismus (Geschichtliche Grundbegriffe 1982: 532). Konservatismus Wortgeschichte (1) Konservatismus wird erst im Verlauf der

franzsischen Revolution zu einem politischen Begriff: Ursprnglich diente der Begriff nicht zur Bezeichnung einer antirevolutionren Position, sondern einer Politik, welche die Errungenschaften der Revolution bewahren sollte: "Constitution conservatrice de la libert des lois" (1789); "conserver les vrais principles de la libert" (1794). Konservatismus Wortgeschichte (2) Als sich nach der Wiederherstellung der bourbonischen Monarchie Parteikonstellationen herausbildeten, welche

sich in der unterschiedlichen Beurteilung der zwischen 1789 und 1814 geschehenen Vernderungen unterschieden, trat der Begriff "conservateur" seinen Weg als programmatische politische Richtungs- und Parteibezeichnung an, welcher auch ausserhalb Frankreichs aufgenommen wurde (Geschichtliche Grundbegriffe 1982:538). Bedeutend war dabei Chateaubriands Wochenzeitschrift "Le Conservateur" (1818-1820), ein Organ der Royalisten und Gegenstck zur liberalen "Minerve franaise". Konservatismus Die Verbreitung des Begriffs (1) In England wurde 1830 die alte Tory Party von John Wilson Croker erstmals bewusst als

"Conservative Party" bezeichnet. Der britische Konservatismus als politische Gruppierung wird aber auch vielfach als Erfindung von Sir Robert Peel dargestellt, als Wandlung des alten Toryismus, der als Folge der Grossen Reform Bill 1932 notwendig wurde (Beyme 1984: 68). Konservatismus Die Verbreitung des Begriffs (2) In Deutschland bildete sich nach 1840 ein bewussterer politischer Konservatismus heraus, der nach seinem Selbstverstndnis weder restaurativ und bewegungsfeindlich war, noch sich darin erschpfen wollte, die

Revolution zu bekmpfen. Konservatismus Der Konservatismus entwickelt sich zu einer Ideologie Je weniger die Konservativen ltere Zustnde wieder herstellen oder bestehende Verhltnisse bloss festhalten, Vernderungen verhindern und Vernderer bekmpfen, sondern eine Lsung der Gegenwartsprobleme, anbieten wollten, desto mehr wurden sie ideenpolitisch aktiv. Konservatismus

Grundelemente konservativen, sozialen und politischen Denkens: berzeugung von natrlicher Ungleichheit der Menschen Beachtung lokaler und regionaler, stndischer und institutioneller Besonderheiten Wahrung historischen Rechts Bejahung persnlicher Herrschaft Bevorzugung der Praxis vor der Theorie Ablehnung der sittlichen Autonomie des Individuums Ablehnung Gesellschaftskonstruktion nach rationalen Prinzipien Konservatismus Entstehung konservativer

Ideologien durch die Bedrohungen der brgerlichen Revolution und ihre Folgen: Konservatismus Bedroht wurde die Privilegien von Geistlichkeit und Adel insbesondere durch die die demokratische Freiheit (Partizipation aller an der Gestaltung der politischen Verhltnisse) der liberale Relativismus und die Infragestellung der berlieferten Eigentumsordnung (durch den Egalitarismus und den Sozialismus).

Konservatismus Edmund Burkes Staatskonzeption Burke geht von einem Staat aus, der eine historisch gewachsene, auf spezifischen Traditionen und Gewohnheiten, Sitten und Bruchen beruhende Einheit darstellt. Dies bedeutete eine Abkehr von den Vertragstheorien des 17. und 18. Jahrhunderts. Es gibt demnach keinen Naturzustand wie bei Hobbes oder Locke, vielmehr ist jede Gesellschaft, die ihre Traditionen bewahrt, permanent in ihrem "Naturzustand". Zweck des Staates ist nach Burke die in der gttlichen Schpfung angelegte Mehrung des Nutzens seiner Brger. Die stndische Ordnung bildet fr Burke die Basis der guten Ordnung.

Konservatismus Kapitalistische Realpolitik in feudal-stndischer Hlle (Klaus Fritzsche in Neumann, Hrsg.,1995,186:) Edmund Burke (1729-1797), der literarische Begrnder des Konservatismus, steht fr einen Typus, der aus Gott, Natur und Geschichte einen eindrucksvollen Schutzwall um die gefhrdeten Eigentumsinteressen baut (...). Reflections on the Revolution of France, 1790. Konservatismus Spezialfall Deutschland: Karl Marx: Wir haben (...) die

Restaurationen der modernen Vlker geteilt, ohne ihre Revolutionen zu teilen. Konservatismus 5.2 Konservatismus als Weltschau Konservatismus Historisch die zweite Partei Konservative Parteien haben sich nur selten (Ausnahme Frankreich whrend der Restauration) als erste Partei organisatorisch verfestigt. In der Regel sind sie die zweite Partei, entstanden als organisatorische Antwort auf die

Herausforderung die Herausforderung von Liberalismus und Radikalismus (Beyme 1984: 67). Konservatismus Allgemein gefasste Bezeichnung: Als sich Konservative schliesslich zu organisieren begannen, dann unter allgemeiner gefassten Bezeichnungen wie Union, Volkspartei, nationale Sammlungspartei (Finnland), gemssigte Sammlungspartei (Schweden), Rassemblement oder Unabhngige (Frankreich).

Konservatismus Stigmatisierung und Umbenennung Mit der Demokratisierung und "Verbrgerlichung" der konservativen Bewegung wurde der Begriff konservativ negativ bewertet. Noch bis 1945 war es entsprechend dem britischen Vorbild nicht anrchig, sich konservativ oder "rechts" zu nennen. Nach dem Zweiten Weltkrieg huften sich die Umbenennungen: In Luxemburg nannte sich die Partei der alten Rechten neu Christlich-Soziale Volkspartei, die Schwedische Rechtspartei wurde zur Gemssigten Sammlungspartei und die Schweizer Konservative Volkspartei nderte ihren Namen in ChristlichDemokratische Volkspartei. Konservatismus

Grnde fr die Schwierigkeiten Gemeinsames festzumachen: Konservative Parteibewegungen sind oft pragmatische Gegner aller Theorien Tiefgreifenderer Wandel der Ideologien als bei andern Gruppierungen Konservatismus Merkmale konservativer Parteien 1) Glaube an Walten gttlicher Vorsehung, Bejahung von Ordnung und Schichtung, Zusammengehrigkeit von Freiheit und Eigentum, Flle traditionellen Lebens, Vertrauen ins (berlieferte) Recht; Rekurs

auf "vorgegebene" oder "unvernderliche" menschliche Natur. Konservatismus Merkmale konservativer Parteien 2) Rekurs konservativer Ideologien auf vorherrschende Religion, in protestantischen Lndern ist der pessimistische Bezug auf die Sndhaftigkeit und Unvollkommenheit des Menschen ausgeprgter. Konservatismus Merkmale konservativer Parteien

3) Geringer Fortschrittsglaube. Konservatismus Merkmale konservativer Parteien 4) Aus pessimistischen Annahmen ber menschliche Natur: Staat als kompensatorischer Faktor, Subsidiaritt, jedoch: keine einheitliche Folgerungen (z.B. Sozialpolitik: von Ablehnung, Modellen patrimonial-privater Beschrnkung bis zur Frderung staatlicher Modelle) Konservatismus

Merkmale konservativer Parteien 5) Widerstand gegen gesellschaftliche Modernisierung, spter indessen oft bernahme als "Bewhrtes", wobei dies, da weniger programmatisch gebunden, mit weniger Problemen verbunden war als bei anderen Parteien. Konservatismus 5.3 Wichtige Epochen der europischen Bewegung des Konservatismus Konservatismus

Vgl. Skript Konservatismus 5.4 Konservatismus als politische Gestaltungskraft am Beispiel Schweiz Konservatismus Konservative Doktrin Gruner (1977: 117) unterscheidet sich in seiner Beschreibung der konservative Partei der Schweiz mit der Feststellung, dass ihre die Programmatik im Vergleich zur sozialistischen Partei ber eine gewisse

Kontinuitt und Stabilitt verfge. Er belegt dies damit, dass das aus dem Jahre 1881 stammende Programm der "Konservativen Union" fast unverndert von der "konservativen Volkspartei" ins Jahr 1951 bernommen wurde. Die SP weist in der Zeit seit ihrer ersten Grndung 1870 bis 1959 insgesamt elf aufeinanderfolgende, verschiedene Programme auf. Konservatismus Der Grund fr diese Stabilitt ... liegt in der "zweitausendjhrigen berlieferung" auf der soliden Basis des christlichen Naturrechts und auf der Tradition der von Thomas von Aquin

begrndeten und von Aristoteles befruchteten katholischen Staats- und Gesellschaftslehre. Konservatismus Der Rekurs auf die katholischkonservative Doktrin ... rhrt daher, dass sich konservativen Partei der Schweiz, der CVP, nie vom Katholizismus lsen konnte (anders als CDU und Tories). Fr die Schweiz mag also die Zurckfhrung auf die "stabile Fundamente" durchaus zutreffen. In allgemeiner gefassten Texte ber den Konservatismus sind diese kirchlichen Zge weit weniger prominent.

Konservatismus Das konservative Bild von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft hat vier Konstanten (Gruner (1977: 117): Personalismus, Pluralismus, Subsidiaritt und Solidaritt Konservatismus

Personalismus: Schutz der Persnlichkeit vor Staatseingriffen, insbesondere auf dem Gebiet des kirchlichen Glaubens und des von der Kirche beanspruchten Lebensraumes in Schule, Erziehung, Ehe und Familie. Konservatismus Pluralismus: Vom Staat wird die unbehinderte Entfaltung der gesellschaftlichen Krfte, der

kirchlichen Institutionen und Organisationen, der Vereine und Parteien, aber auch der untergeordneten Glieder im Staate, insbesondere der Gemeinden und Kantone gefordert. Gefordert wird kantonale Steuersouvernitt. Bekmpft wird die berwuchernde Brokratie, die Verherrlichung der Armee und die Verstaatlichung der Wirtschaft. Konservatismus Subsidiaritt:

Staatshilfe fr die Schwchen soll nicht ausgeschaltet werden. Diese soll aber so gestaltet werden, dass sie dort wirkt, wo die Selbsthilfe der untergeordneten Instanzen versagt, wo Familie, Gemeinde, Gewerkschaften oder Kantone nicht wirken knnen. Subsidiaritt als Prinzip: So weit unten

wie mglich, so weit oben wie ntig. Konservatismus Solidaritt: Selbsthilfe erfolgt im Sinne von Solidaritt und zwar von selbstndigen Organisationen auf der Basis des Betriebs und Berufs und der Erwerbszweige, mithin in Form von Betriebs- und Berufsgemeinschaften und von stndischen Zusammenschlssen. Konservatismus

Mitte und Mittelweg "Im Bestreben, einen Mittelweg zwischen den beiden Extremen des wirtschaftlichen Individualismus und des Kollektivismus oder der Staatswirtschaft, zwischen hemmungslosem Kapitalismus und klassenkmpferischem Sozialismus aufzuweisen, neigt die konservative Doktrin zur berschtzung, ja oft zur Verherrlichung mittelstndischer Existenzen im gewerblichen und buerlichen Erwerbsleben" (Gruner 1977: 118).

Konservatismus Sonderstellung zu Beginn des Bundesstaates Ausgangssituation: nach Sonderbundskrieg werden die katholisch/lndlichen/nichtindustriellen Kantone als Minderheit in den freisinnigen Bundesstaat eingetopft, sind aber politisch machtlos. Ghettobewegung: Versuch der Katholiken, sich auf Macht in ihren "Stammlanden" zu konzentrieren, wo ihnen der Fderalismus Sonderlsungen ermglicht (z.B. im Ehe- und Scheidungsrecht vor Inkrafttreten des ZGB; katholische Schulen und katholische Universittsgrndung Freiburg). Widerstand gegen Zentralismus und Antiklerikalismus. Gesamtschweizerische politischer Organisation als Katholisch/Konservative misslingt bis 1912, als die

Konservativen Volkspartei gegrndet wurde Konservatismus Bis zum 1. Weltkrieg: Selbstorganisation ber kulturell-kirchliche Institutionen; Ausbruch aus dem politischen Ghetto. Nationale Parteibildung wird erreicht ber Aktivierung katholischer Vereine (Studentenverein, Volksverein, Piusverein, Mnner- und Arbeitervereine) und Aufbau eigener Presse. Einfhrung des Referendums erlaubt Konservativen zunchst systematische Oppositionspolitik. Die Wahl J. Zemps in den Bundesrat 1891 markiert den Beginn der Integration der Konservativen in den freisinnig regierten

Bund und die Ersetzung der reinen Mehrheitspolitik durch eine Ausgleichspolitik mit den katholischen Kantonen. Konservatismus Zwischenkriegszeit Von 1919 bis in die Fnfzigerjahre wird die Konservative Partei laufend strker, ihre Fraktion berflgelt 1943 erstmals die freisinnige. Scharnierfunktion im Stnderat. Eine formierte katholische Milieukultur gestattet Sammlung eines Potentials, das, politisch-konomisch betrachtet, nur wenig gemeinsame Interessen ausweist. Gliederung in "Standesgruppen".

Arbeiter und Angestellte: insbesondere Migration lndlicher Unterschichten in (protestantische) Stdte wird aufgefangen in der christlich-sozialen Bewegung; vier Sulen: Arbeiter- und Bildungsvereine, Gewerkschaften, Genossenschaften, parteipolitische Kommissionen. Abgrenzung von der Klassenkampf-Politik von SP und nicht-christlichen Gewerkschaften. Bauernschaft: Sammlung katholischer Bauern in buerlicher Arbeitgemeinschaft (30er Jahre: Kath. Bauernbund); Bischof von St. Gallen z.B. verbietet 1924 den kath. Bauern Beitritt zur Jungbauernbewegung. BGB blieb damit auf protestantische Kantone beschrnkt. Gewerblich-mittelstndische Interessen:

kongruent mit Ideologie. Mittelstndische Puffertheorie, wonach eine breite Mitte den Klassenkampf berwinden und die Fehler von Kapitalismus und Sozialismus heilen knne. Konservatismus Konservatismus und Demokratie Konservative Sozial- und Wirtschaftsdoktrin kritisiert liberale und egalitre Demokratie: Kulturbolschewismus durch Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit. Pldoyer fr berufsstndische und autoritre Demokratie. Staat soll autoritre Struktur der Kirche zum Vorbild nehmen. Jungkonservative:

Gegen Parlamentarismus, fr Korporationenstaat. Einschrnkung Pressefreiheit, Rckkehr zu konfessionellen Schulen, Stimmrecht bei Familienvtern potenziert. Vorschlag auf Totalrevision BV; wird untersttzt von Konservativer Partei. Abgelehnt vom Volk 1935. Konservatismus Nachkriegszeit Absetzung von mittelstndischkorporatistischem Denken. Strkung des christlichsozialen Flgels; 1957 im Zuge

von Statutenrevision Umbenennung: Konservativ-christlichsoziale Volkspartei. Weg von der betont antisozialistischen Ausrichtung der 30er-Jahre. Volkspartei der "Mitte"; Als Regierungspartei Wegbereiter von Konkordanz und Zauberformel. Konservatismus Umbenennung in CVP Nach Modernisierung der Organisation und Abschleifung innerer Partikularismen 1970 neuer Name CVP (Christlichdemokratische Volkspartei). "Dynamische Mitte": CVP geht wechselnde Koalitionen in einzelnen Sachgeschften zwischen Links und Rechts ein und wird zur Partei des Ausgleichs.

In zweiter Rezessionsphase 1981/82 sozialpolitischer Klimawechsel: CVP nhert sich brgerlich-freisinniger Linie an. Neue "Arbeitsgemeinschaft" des Gewerbe- und Unternehmerflgels. "Skularisierung und konomisierung" (Altermatt). Desintegration des katholischen Milieus als mobilisierende und integrierende Kraft der Partei. Konservatismus Flgelkmpfe Der Wirtschaftsflgel in der CVP (vgl. Altermatt 1986): In der Parlamentsfraktion ist der "Wirtschafts"-Flgel, der sich 1982 in der Arbeitsgemeinschaft "Wirtschaft und Gesellschaft" organisiert hat, eindeutig strker geworden.

Das wirkt sich auf die Linie der Gesamtpartei aus. "Bei den Parolen fr eidgenssische Volksabstimmungen folgt der christlichsoziale Flgel in Finanz- und Wirtschaftsfragen hufig nicht der Gesamtpartei, was bei der CVP zu innerparteilichen Spannungen fhrt, die nur dank einer gemeinsamen weltanschaulichen Basis immer wieder ausbalanciert werden knnen. Konservatismus Entwicklungen in jngster Zeit beralterung und Schwierigkeiten, sich in stdtischprotestantischen Zentren zu halten. Rckgang der Whleranteile bei den Nationalratswahlen: von 21.3 % (1979) auf 14.4 % (2003). Rckgang der Sitzanteile in den kantonalen Parlamenten: Ideologische "Neupositionierung": Von der Mitte-Partei zur

Zentrumspartei. Strukturreform: Mitgliederprinzip, Holdingstruktur (abgelehnt). In den Stammlanden gelingt es erstmals der SVP, Fuss zu fassen. Ursachen dafr sind: Keine klare Anti-Europa-Position, Zentrums-(Mitte-)Politik und Skularisierung, Schwangerschaftsabbruch-Debatte, u.a. Hoffnungsschimmer neue Religiositt und Ethik

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